2010 Jahre Heike Hennig & Co

Maria XXX                 en fr
Tanzoratorium von Heike Hennig



Maria XXX mit Triptychon von Noriko und Felix Minkus nach Bernini, Video: Hagen Wiel

Der Name Maria stammt aus dem Hebräischen und bedeutet die Widerspenstige. Widerspenstig sein, nicht ins Bild passen, aus dem Rahmen fallen: Tänzer, Musiker und Sänger agieren gemeinsam und betreten, unabhängig von ihrer Profession, als Bedürftige, Lustvolle, Ausgelieferte  die Bühne: Sie zittern, beten und sinken in den Schutzmantel der Madonna, der zugleich als Bettlaken und als Netz für Fische dient. Verstörende und brüchig schöne Bilder zwischen Lebensfreude und Todessehnsucht: Ein hungriger Mann und eine erfüllte Frau in der Menge der Suchenden. Hinter ihnen schwebt die heilige Theresia zwischen göttlicher Verzückung und erotischer Ekstase: bis zur (Un)kenntlichkeit aufgepixelt verweist sie auf die Phantasmen globaler Verfügbarkeit. Es geht um Schuld und Unschuld unserer Körper, die mit der unbefleckten Empfängnis dem gegenwärtigen Frauenbild vor 2000 Jahren eingeschrieben wurden. Rein und heilig oder lustvoll und verdorben – wer zu schauen wagt, entscheidet.

Die Figur der Jungfrau und Gottesmutter Maria ist im Laufe der abendländischen Kulturgeschichte zur Symbolfigur und Projektionsfläche von Weiblichkeitsvorstellungen avanciert. Die Choreografin Heike Hennig stellt diese Figur ins Zentrum ihres Tanzoratoriums. In der Barockzeit erlebte die Marienverehrung eine Hochzeit. Marienkantaten und -arien von Georg Friedrich Händel und Alessandro Scarlatti in der Interpretation des Barockorchesters Lautten Compagney Berlin bilden das historisch-musikalische Tableau, das durch die Soundkünstlerin DJ CFM in einen elektronischen Klangraum  transponiert wird. Neben der musikalischen Bearbeitung spielt auch die Bühnengestaltung in ihrer Doppeldeutigkeit von göttlicher Verzückung und erotischer Ekstase eine zentrale Rolle: ein altarähnlicher Aufbau – mit der Verzückung der Heiligen Theresia gleichsam einer Ikone im Hintergrund. Die Plastik von Bernini gilt als Beispiel für die im Barock formulierte Verwandtschaft von Religiosität, Wollust und Grausamkeit. Ein Bild aus dem Barock zwar, das durch seine starke Aufpixelung an die Unkenntlichmachung von Tätern und Opfern im medialen Bereich oder an entsprechende Maskierungen in der Pornographie erinnert. Die Inszenierung verbindet Gesang und Orchestermusik, Tanz, Licht und Raum so, dass sie den Geist des Barock erkennen lässt, ihn aber in die Gegenwart transponiert: Alle – Musiker, Tänzer und Sänger – sind Teil einer physischen Regie. Jeder Körper dient als Projektionsfläche für das Bedürfnis nach Liebe, Intimität und Geborgenheit. Zwischen der Lobgepriesenen und der Schmerzensreichen, zwischen der Heiligen und der Hure, zwischen Verehrung des Göttlichen und Verachtung des Leiblichen oszillieren bis heute unsere von Maria präfigurierten Weiblichkeitsbilder. Die genreübergreifende Produktion will nicht schockieren, dennoch anregen und erregen. Maria XXX unterwandert das jeweils gängige Bild der Heiligen und Hure und spielt mit den Erwartungshaltungen der Zuschauer. Welche Bilder empfinden wir als unmoralisch oder als Tabubruch, wann werden Grenzen überschritten? Und umgekehrt: Maria – die Erhabene, die Reine und Schöne – wie sehr sind wir durch die christliche Idealvorstellung der Frau geprägt? Was erlauben wir uns selbst zu denken, zu fühlen, als lustvoll zu empfinden?

Musik, Arien, Sounds

Marienarien von Georg Friedrich Händel und Alessandro Scarlatti. Elektronische bearbeitete Musik und Sounds von CFM

Inszenierung

Musikauswahl, Choreographie & Regie:
Heike Hennig
Musikalische Leitung:
Wolfgang Katschner
Dramaturgie:
Dr. Jochen Kiefer
Bühne:
Noriko und Felix Minkus
Kostüme:
Min Stiller
Kostümassistenz: Marcella Dusi
Gesamtleitung: Friedrich U. Minkus

Besetzung

3 Sängersolisten: Marie Luise Werneburg (Sopran), Yosomeh Adjei (Countertenor), Daniel Ochoa (Bass)
7 Tänzersolisten:
Etoile Chaville, Christine Joy Ritter, Anne Schmidt, Helga Wretmann, und Gonzalo Cruzinha, Hong-Nguyen Thai, Prince Kwadwo Ofori
12 Musiker der
Lautten Compagney Berlin
DJ:
cfm

Premiere Uraufführung

8. Juni 2010 UA-Premiere
Händel Festspiele Halle (Saale) Neues Theater Karten-Vorverkauf
>>>

weitere Aufführungen

OPER unplugged >>>
Alle aktuellen Termine mit Ticketlink im Kalender
>>>

Medienecho

Deutschlandfunk Musikjournal: ... Maria das ist die kecke blonde Solistin, die mit ... beeindruckender Stimme über die Bühne fegt, aber auch die virtuose Tänzerin ... oder der Bass, der auf den Knien singend eine Frau in den Arm nimmt und sie wie ein Kind an der Brust saugen lässt ... Elisabeth Nehring wünscht Maria XXX ... vor allem eine größer Bühne ... >>>

Mitteldeutsche Zeitung: Händel-Festspiele - Reigen des Lebens feiert Maria ... große Feier des Menschlichen und der Künste >>>

Leipziger Volkszeitung: Maria XXX - Bedrohlich schön ... Zukunft des Theaters ... ästhetisch und zeitgemäß, berührend, sinnlich und dabei intellektuell herausfordernd >>>

Thüringische Landeszeitung: Maria XXX: Erotik der Gottesmutter ... außergewöhnlich spannendes Uraufführungsprojekt ... Kategorie Magisch >>>

Westfälische Rundschau: Jungfrau, Hure, Maria ... Wunderschönes Tanzoratorium von Heike Hennig ... engelsgleich und verführerisch >>>

Ruhr Nachrichten: Maria XXX von Heike Hennig bot herausragendes modernes Tanztheater im Schauspielhaus Dortmund und erntete Standing Ovations ... Ein Fingerzeig in die Zukunft des Musiktheaters >>>

Frau Dr. Hanna John per Mail (langjährige Leiterin der Händel-Festspiele Halle) zu Maria XXX: ... Händel verstanden ... >>>

Produktion

Maria XXX ist eine Produktion von HEIKE HENNIG & Co in Koproduktion mit Händel-Festspiele Halle, Theater, Oper und Orchester GmbH  Halle und FZTM Leipzig für OPER unplugged in Zusammenarbeit mit dem internationalen Festival Klangvokal Dortmund, Stadttheater Bozen und Kunstfestival Flux-s Eindhoven. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen die LOTTO Sachsen-Anhalt GmbH und die Stadt Leipzig.

MARIA XXX
Dance Oratorio by Heike Hennig

Festival of Handel in “Neues Theater” (new theater) in Halle – Premiere: 8 of June 2010

The name Maria means the Shrew. Being a Shrew – not fitting any image: dancers, musicians and singers are acting together and step on stage, regardless of their profession, as needy, passionate, people a one’s mercy: they tremble, pray and fall into Madonna’s coat of refuge, which at the same time is being used as bed sheet and as net for fishes. It’s about the guilt and innocence of our bodies, into which our present conception of women was inscribed about 2000 years ago by the Immaculate Conception. Pure and holy or full of relish and bad – whoever who dares to watch may decide.

Our preconceived pictures of femininity of the figure Maria vacillate between the praised and the strongly painful woman, between the admiration of the divine and the contempt of the physic, between the saint and the whore. The production combines singing and orchestra, music, dance, light and room in a way that lets the spirit of the baroque era be recognised, transposing into to the present: Everyone – musicians, dancers and singers – are part of a physical stage direction. Cantatas and arias of Mary by George Frideric Handel and Alessandro Scarlatti in an interpretation of the baroque orchestra Lautten Compagney from Berlin form the historical musical tableau, which get transposed in an electronic sound-space by the sound artist DJ CFM. The stage design assumes a central place within the ambiguity of divine rapture and erotic ecstasy: The Ecstasy of Saint Theresa by Bernini is considered an example of the relationship between religiosity, lust and cruelty formulated in baroque times. Through hyperpixulation of the picture the viewer is reminded of today’s practice of making criminal offenders and victims unrecognisable in the media or in pornographic material.

MARIA XXX
L’oratorio de danse d’Heike Hennig

Festival d’Haendel au « Neues Theater » (théâtre nouvelle) à Halle – Première : le 8 juin 2010

« Maria XXX » est un personnage qui sert comme mur de projection de notre espoir pour la rédemption et à la sécurité. Elle agit au centre de cet oratoire de danse comme femme admirée, célébrée et dulcinée. « Maria XXX » joue avec la nostalgie pour l’intimité, la proximité et le sentiment de la sécurité aux sonorités sélectionnées et aux arias avec musique électronique d’Haendel et Scarlatti.

oben >>>

Twitter News Facebook Förderverein Press Presse Contact Impressum

Heike Hennig & Co in Maria XXX Fotos: Joachim Blobel

© miex.20/07/10