Heike Hennig - Musik Tanz Theater

p66shc Tanz - Film - Forschung

p66shc war 2005 der Ausgangspunkt für die Projekte “Zeit - tanzen seit 1927” die Podiumsdiskussion “Tanz Dein Leben” und den Dokumentarfilm “Tanz mit der Zeit” sowie die Folgeprojekte “Generation - Variation” in dessen Rahmen die Projekte “ZeitSprünge” und “Tanz in Schulen” entstanden.

Hintergrund

Heute gibt es in unserer Gesellschaft bereits mehr 60jährige als 20jährige. Die Studie Deutschland 2020 prognostiziert einen Bevölkerungsverlust von bis zu 30 Prozent.  Keiner kann jetzt genau sagen, wie sich das anfühlt, wie das aussieht, wie sich das auf unser alltägliches Leben auswirkt. Fragen, für die es noch keine Antworten gibt, da sie erst gelebt werden müssen.

Die Haut altert, die Knochen werden brüchig, Organe schrumpfen. Der Körper eines Menschen – hier eines Tänzers – als Verortung eines gesellschaftlichen Veränderungsprozesses: Überalterung…schleichender, kaum aufzuhaltende Schrumpfung …Zerfall und Stillstand …oder Reaktivierung, Genuss und Gelassenheit, hohe Vitalitäts- und Ausdauerraten?

Visionen

Durch eine gezielte Mutation des p66shc-Gens leben Mäuse bereits ein Drittel länger – in naher Zukunft wird das auch beim Menschen möglich werden. So wie die Vision der Genforschung auf Verlängerung des Lebensalters abzielt, verschieben wir gesellschaftlich und kulturell verankerte Altersgrenzen im Tanz – beim Zuschauer, der gewöhnlich junge, dynamische Tänzer auf der Bühne sieht – als auch beim älteren Tänzer selbst, der sich neue, speziell entwickelte Tanztechniken aneignet. Denn so wie ein verlängertes Leben ein anderes sein würde, so wird auch die Ästhetik eine neu zu erschaffende sein.

Das Projekt p66shc wird mit gesellschaftlichen Strukturen experimentieren, welche vielleicht in naher Zukunft durch die Wissenschaft eine ganz neue realistische Natur bekommen werden.

Interaktion Wissenschaft Tanz

„Längst sind sich auch die Forscher in den Naturwissenschafter der Bedeutung ästhetischer Momente für ihre Erkenntnisarbeit bewusst geworden …. Poincaré  hatte gar rundweg erklärt, dass ästhetische und nicht etwa logische Potenz die zentrale Fähigkeit eines guten Mathematikers sei. In neuerer Zeit hat Watsons Hinweis bahnbrechend gewirkt, dass ihm die Entschlüsselung der DNS-Struktur nur deshalb gelang, weil er davon ausging, dass die Lösung äußerst elegant werde sein müssen …Wahrheit, Wissen und Wirklichkeit haben in den letzen zweihundert Jahren zunehmend ästhetische Konturen angenommen“ aus Wolfgang Welsch „Grenzgänge der Ästhektik“

Quintessenz

Altern – ein existenzielles Thema des Menschen wird derzeit einseitig und pessimistisch, vorrangig als ökonomisches Problem der Gesellschaft diskutiert. Durch eine interdisziplinäre Betrachtungsweise entwickelt der Tanz eine frische lebhafte Vision und wird zeigen, wie viel Enthusiasmus und andersgeartete Energie in scheinbar verbrauchten Körpern steckt. Darüber hinaus erhoffen wir uns von p66shc völlig neuartige Impulse und Vernetzungen von wissenschaftlicher und künstlerischer Praxis.

Friedrich U. Minkus   
Projektkoordinierung/Produktionsleitung  Leipzig, Juli 2005

Phänomenologisches Intro

Wie gehen wir mit Altern um? Wie geht man in anderen Ländern mit Altern um? Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede gibt es? Altern Künstler/Tänzer anders?…

Wie kamen Sie zum Tanz? Wann kamen Sie zum Tanz? Was tanzten Sie? Wie tanzten Sie? Wie lange tanzten Sie? Solo oder Gruppenrollen? Welche Rolle spielte der Tanz für Sie? Was ist Tanz für Sie? Schauen Sie sich Tanz an? Alt sein (mit 35) im Beruf – wenn man dass schon vorher weiß – wie ist es dann? Was halten Sie vom zeitgenössischen Tanz? Was kennen Sie? Mögen Sie andere Tanzarten? Was wären Sie geworden wenn nicht Tänzer/in? Welche Rolle spielt die Heimat /Leipzig für Sie? Waren Sie oft auf Gastspielreisen? Würden Sie gern woanders leben? Welche Städte/Länder reizten Sie hinsichtlich des Tanzes? Was haben Sie danach gemacht? Wie hat sich Ihr Berufsleben gestaltet? Wie hat sich das Leben danach verändert? Tanzen Sie noch? Wären Sie bereit für einen weiteren Tanz?

Wie fühlt sich ein Körper an, der jeden Tag trainiert wurde, teils extremen Belastungen unterworfen war? Wie wirkt es seelisch aus, fast jeden Tag auf einer Bühne zu stehen? Was ist nun, nach Stilllegung all dieser Ressourcen?

Sind die Älteren  jetzt andere Alte als vor 100 Jahren? Gibt es noch  Generationsproblematiken wie zuvor oder andere? Wie erleben Ältere das „Jetzt“? Was macht man mit der leeren Zeit und einem dennoch wachen Geist und Körper?

Was ist jetzt  besser? Was können Sie  jetzt besser? Was macht Ihnen Lust? Was macht Ihnen Angst?

Worüber lachen Sie? Was hat sich zerschlagen? Was ist unerfüllt? Was hat sich relativiert in Ihrem Leben?

Ist eine Ressource, dass Leute einen angeschaut haben? Bühne, was bedeutet das? Wie hat sich das dann verändert?

Woran glauben Sie? Welche Visionen haben Sie (für sich, Familie, Gesellschaft)? Was halten Sie von demographischen Warnungen?

Können Sie etwas ganz Jugendliches machen? Etwas ganz langsam? Eine Geste, die Sie jetzt an die 100tausend Mal gemacht haben? Was ist das Schnellste was Sie machen können? Etwas überraschendes, ungeplantes, unattraktives, schönes, sinnloses, zauberhaftes, in Bewegung bringen?

Eine ganz junge Stelle am Körper zeigen? Was mögen Sie an sich am liebsten/körperlich/seelisch? Ist es gut, in diesem Körper zu sein? Was war eine große Hürde? Was hält Sie jung? Glauben Sie/nehmen Sie Fitness/Aufbaupräparate/Medikamente? Was ist richtig schön in Ihrem Leben? Haben Sie Angst vor dem Sterben? Haben Sie Schmerzen? Schlafen Sie gut? Wie wichtig ist Ihnen Ihr Aussehen?

Was ist Ihnen wichtig? Hat sich das im Laufe der Zeit verändert? Haben Sie eine Lebensmaxime, einen Satz, der Ihr  Leben begleitet? Können Sie diese/n tanzen?

Was ist ein wirkliches Problem für Sie? Können Sie noch eine Sequenz aus einem Stück tanzen? Was provoziert Sie? Welche Musik/Film/Buch mögen Sie? Was wollen Sie unbedingt noch machen? Gibt es Rituale in Ihrem Leben? Können Sie singen?

Wie hart empfanden Sie das tägliche Training? Mit welchem Sprichwort nervte oder ermunterte man Sie? Welche Sportarten mögen/praktizieren Sie? Wie stehen Sie zum Jugend/Fitness/Schönheitskult? Wie ernähren Sie sich? Welche Karten/spiele kennen Sie/spielen Sie? Was wollen Sie jetzt nicht  mehr? Was ist Ihnen zu neu, zu modern? Was können Sie  nicht  mehr? Was ist das Schlimmste/Blödeste am Alter? Welche Überraschung im Leben hat Sie aus der Bahn geworfen? Was hat über alle Jahre an Wert behalten? Dinge, die Sie überallhin mitnehmen? Dinge, die Sie nicht mehr gebrauchen können?

Was war? Was ist? Was wird?

Heike Hennig
künstlerische Leitung Leipzig, im Juli  2005

Kurze Beschreibung des Netzwerkes von Wissenschaftlern:

AgeBase is a collaborative effort between 6 different labs to identify and analyse general ageing mechanisms that are likely to be important in humans, by studying equivalent, evolutionary conserved processes in model organisms. These studies exploit the genome sequences of these organisms, the nematode worm Caenorhabditis elegans and the fruitfly Drosophila melanogaster, and test the role of their equivalent in the mouse Mus musclus. The homologues genes in human can be identified that can be exploited in future population/genetic association studies and in the investigation of clinical interventions beneficial for human ageing.

Laboratories involved in the project

Prof. Linda Partridge (University College London)
    * Dr. Martin Brand (MRC Cambridge)
    * Dr. David Gems (University College London)
    * Dr. Sally Leevers (Cancer Research UK)
    * Prof. Janet Thornton (EBI) European Institute for Bioinformatics Cambridge
    * Dr. Dominic Withers (Imperial College London)

Study of ageing using model organisms

The complementarity of experiences gathered in these various groups allows to tackle the whole ageing process, and to identify genes and mechanisms that have ubiquitous effects on processes of damage and deterioration. Evidence for evolutionary conservation of mechanisms underlying acturial ageing is mounting. The purpose of the project is to exploit the completed genome sequences and experimental tracktability of two inverterbrates Caenorhabditis elegans and Drosophila melanogaster. Homologous genes can be identified and mechanisms that slow the rate of acturial ageing in the worm and fly, by focussing on the effects of caloric restriction, insulin/IGF signalling and damage by reactive oxygen and nitrogen species. The effects of already-available mutants and news ones that can be produced on the rate of acturial ageing can be monitored and tested.

Dr. Sabine Dietmann Leipzig im Juli 2005

GSF National Research Center for Environment and Health Institute of Bioinformatics


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