|
|
| interaktiv | rss/pda | aboservice | internetzugang | impressum |
|
|
|
Sächsische Zeitung
Das Dresdner Projekttheater präsentierte an den vergangenen drei Abenden ein Duett mit dem Titel „Estha“. Ein bemerkenswertes Stück, wenn auch nur ein Prolog zu Größerem. Die Bühne hatte ihren Gast als den „Shooting Star“ der Leipziger Tanzszene angekündigt. Nun, an diesem Himmel ist noch viel Platz, aber unbestreitbar hat Heike Hennig als Tänzerin, als Choreografin und als umtriebige Projekt-Schmiedin für viel Bewegung gesorgt. Nach Lehr- und Wanderjahren in Lissabon, San Francisco, São Paulo und Bosnien steht das Hauptquartier der heute 37-Jährigen wieder in Leipzig. Kürzlich gastierte Hennig mit „Estha“ in Athen, demnächst in Shanghai, bis gestern gab sie Dresden erstmals eine Kostprobe. Bei der Tanzwoche in der letzten Aprilwoche wird sie den dritten Teil ihrer Choreografie „Fremde“ zeigen, ebenso ein derzeit zu erprobendes „Männer-Quartett“. Ihre Arbeiten huldigen weder der Abstraktion noch der Nabelschau. Sie wirken assoziativ, andeutungsreich, sind kein „Tanztheater“, aber weben einen stabilen Faden der Narration. In dem Duett „Estha“ werden Passagen aus Arundhati Roys Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ eingesprochen, und als geistigen Paten für ihre Recherche über die Manipulation der Körper reklamiert Hennig den Philosophen Michel Foucault. „Estha“ beginnt mit einem Bravourstück von Sebastian Weber, der hinreißend auf dem Tisch steppt und seinen zwei Meter großen Körper betrommelt. Hennig hat ein Solo, in dem sie verzweifelt und zerstörerisch wie nie zuvor über die Bühne fliegt, während ihr Partner sie mit Sprichwörtern quält. Daneben steht sanftes, fließendes Miteinander, das die Geschichte eines Geschwisterpaars in ruhig atmende, nicht kitschige Imagination taucht. Sven Crefeld |
| ||||||||||||||||||||