2010 Jahre Heike Hennig & Co

FESTIVAL Die Greifswalder Tanztendenzen lassen mit Klasse, Geist und Unterhaltung zugleich ein anspruchsvolles Publikum auf seine Kosten kommen.

Von Philip Rössner

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Das Sujet der Automatismen, die eine Beziehung eher lähmen als ermöglichen, wurde im letzten Stück abstrahiert und verallgemeinert. In der minutiös durchgestalteten Choreographie von Heike Hennig tanzten vier junge Männer eine nimmermüde Dressur maskuliner Seinswelt. Virtuos und geschmeidig zeigte das Quartett ein beredtes und überraschungsreiches Spektrum der Affekte, die das normierte Verhalten vom Büro bis zur Beerdigung mit tragikomischer Verve auffächerten. Ein krönender und repräsentativer Abschluss der diesjährigen Tanztendenzen. Nicht alles muss hinterfragt werden, zuweilen genügen die konkreten, konzentrierten und stilsicheren Darstellungen, um ein anspruchsvolles Publikum mit Inhalt und Unterhaltung zugleich zu begeistern.

© Nordkurier.de am 02.11.2005  vollständiger Pressetext: Artikel vom 01.11.2005

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Der Drill in einem Männer-Büro

Die Leipziger Choreografin Heike Hennig zeigt bei den Tanztagen in der fabrik ihr Stück „Estha“, in dem es um Macht und Ohnmacht geht

Ihr Stück, das sie heute und morgen in der fabrik vorstellen, heißt Estha. Tanzen vier Männer um eine imaginäre Frau?

Estha ist ein indischer Männername und eine Figur aus dem Roman „Gott der kleinen Dinge“, der mich sehr gefesselt hat. Estha ist ein kleiner Junge, der hin- und hergerissen ist zwischen dem traditionellen Kastensystem und der westlichen Kultur. Er wird dabei immer stiller. Ihm ist das Stück gewidmet. Allerdings nur der erste Teil, ein Duett, mit dem wir gerade in China und Athen zu Gast waren. Im zweiten Teil haben wir nun die Folie aufgezogen und uns dem Thema Machtstruktur zugewandt.
 

Das Gespräch führte Heidi Jäger. Potsdammer Neuste Nachrichten 26.05.2004

Link zum vollständigen Pressetext

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... Machtspiele, Heike Hennig begeistert mit “Estha”

... Mehr Entdeckungsfreude beweist in der Schaubühne die Choreografhie “Estha”, die Heike Hennig mit einem Männer-Quartett erarbeitet hat. In Alltags- und Extremsituationen spielt das Stück die Konditionierung des Körpers durch physische und strukturelle Gewalt durch. Vier Tänzer werden schrittweise entindividualisiert, dressieren und domptieren einander in Machtspielen. ... Hochprofessionell getanzt, gelingt es dem Abend, die Gedankenschwere von Heike Hennigs letzten Arbeiten mit einem sehr spielerischen Gestus zu verknüpfen.

Robert Schröpfer im Kreuzer Juni 2004

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Hinter dem Rampenlicht von Karsten Pietsch

TANZ LEBT in der Freien Szene. „Westend 04“ ließ sich als Leipziger Tanz-Festival sehen und feiern. Heike Hennig brillierte mit „Estha“ für vier Männer. Aus ihrem vorherigen Stück „Fremde“ scheinen Details herausgenommen und hochgekocht worden zu sein. Mit Michael Veit, Frieder Tenschert, Filippo Armati und Sebastian Weber bieten durchweg gestandene Tänzer-Charaktere in technoidem gefühlvollen Sound ein kraftvolles Schauspiel aus Tanz, Akrobatik und Meditation.

aus ZeitPunkt-Kulturmagazin Leipzig 06.04

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Estha. Ein offenes Bündel an Möglichkeiten von Hendrik Pupat

Über dem Publikum geht das Licht aus, und geheimnisvoll wie die Monolithen in Stanley Kubricks 2001 stehen sie hinten auf der Bühne: Vier Quader, aufrecht nebeneinander, vis-à-vis zum Zuschauer. Nichts regt sich. Nur elektronisches Pochen durchdringt den leeren Raum, lädt ihn auf bis zum Knistern. Beiläufig wachsen Hände aus den Quadern, lebendiges Ornament. – So lyrisch-verträumt beginnt Estha. Doch die Stimmung wendet sich jäh. Plötzlich tobt aggressiver Drum ’n’ Bass durch die Luft, vier Tänzer wagen sich hervor, wirbeln in Formation umher, zickzack, radschlagend, animalisch, Energie pur. Die Quader: Stellen sie bloß Türen da? Oder sind sie, wie bei Kubrick, Manifestationen einer überirdischen Macht? Beides wohl. Denn einerseits müssen die Tänzer ja irgendwoher kommen, da bieten sich die nach drei Seiten offenen Stahlobjekte als Eingang an. Andererseits kommen ja auch wir Menschen irgendwoher, sind irgendwie das geworden, was wir sind. Und für eben diese rätselhaften Menschwerdungsprogramme geben die undurchschaubaren Metalltower ebenfalls ein schönes Bild ab. In Anlehnung an den Philosophen Michel Foucault: Wir sind das Ergebnis raffinierter Kontroll-, Normalisierungs- und Disziplinartechnologien, die auf der Geburtstation einsetzen, sich durchs Elternhaus ziehen, Religion, Wissenschaft, Medizin durchdringen, in Schule, Besserungsanstalten oder Bundeswehr fast greifbar scheinen, unsere Arbeitswelt wie unsere Freizeit prägen. Was das mit dem Männerquartett Estha zu tun hat? Einen Moment Geduld bitte noch! ...

Leipzig 24.05.04 vollständiger download als estha_pupat.pdf

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“westend 04” - Festival für zeitgenössischen Tanz Schaubühne Lindenfels 13-16. Mai 2004 Stricken für die Reflexion Nachlese von Stefanie Möller - Leipzig Almanach

Neiiin - Lass es nicht vorbei sein!!! Plötzlich ist die Bühne schwarz und stumm. Fassungsloser Atemstillstand: Jetzt schon zu Ende? Heike Hennigs “Estha” erhört das Flehen, die schemenhaft weißen Tänzerleiber richten sich wieder auf, tanzen endlich weiter um Maschiene, Macht und Material - bis zum wahraft abgedrehten Schluss. ...

Link zum vollständigen Text vom 16.05.2004 im Leipzig - Almanach

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© Leipziger Volkszeitung vom Montag, 10. Mai 2004

Witz und Lyrik zum Schluss - bloß wo war Estha?

........Ziemlich spannend vor allem der Abschlussabend: Heike Hennig hat sich als Tänzerin und Choreographin in Leipzig längst einen guten Namen gemacht. Im Vorfeld von "Estha" rief sie noch verzweifelt: "Ich brauche Männer!" Denn "Estha" ist ein Männer-Quartett, doch männliche Profitänzer sind in Leipzig Mangelware. Um Macht sollte es gehen, inspiriert von Michel Foucault. Kann das etwas anderes werden als eine sterile Versuchsanordnung? Es kann.

Gleich zu Beginn wummert aggressiver Techno los. Spinnenartig, radschlagend und kickend wirbeln die Tänzer über die Bühne. Momente später sitzen sie an einem Tisch, führen eine Choreografie für Hände und Arme aus, Pantomime fast, so grotesk wie kindlich wie entzückend. Es folgen lyrische Momente, ein Kampf, militärischer Drill, eine Beerdigung, die ins Komische kippt und, zum Schluss, ein mehr oder minder absurdes Hörspiel.

Die Wechsel sind rasant, der Tanz klar, obwohl den Tänzern ihre unterschiedliche Herkunft anzusehen ist. Keine Frage, das Tanzstück ist wundervoll. Nur: Wo war sie eigentlich, die "Estha"?

Hendrik Pupat

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