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Das Stichwort heisst "Aufbruchstimmung". Nach oft zitierten Nackenschlägen wie dem Weggang von Irina Pauls Tanztheater oder
Kürzung öffentlicher Zuschüsse spürt Leipzigs Tanz-Szene Rückenwind. Der hat mit einem neuen Selbstbewusstsein zu tun, für das stellvertretend wohl der Erfolg der Hennig-Produktion "Fremde, 3.
Teil" steht. Und die Off-Kulturellen aus dem Leipziger Westen haben das geschafft, was sich Verantwortliche aus dem Kulturamt schon lange wünschten: den kreativen Schulterschluss.
Vom 15. bis 24. Mai präsentieren die Schaubühne Lindenfels und das LOFFT ihre Tanzwoche "Westend Unfinished".
Das Konkurrenzdenken im Planquadrat zwischen Karl-Heine-Straße und Lindenauer Markt hat der Erkenntnis Platz gemacht, dass die Bündelung von
Ideen und Kraft dem Image gut tun sowie Aufmerksamkeit und Publikumszuspruch erhöhen kann. Neun Tage werden die beiden Spielstätten zum Schmelzpunkt eigener und überregionaler
Produktionen. Kunst-Sand ins Getriebe des Alltags will die bildende Künstlerin und Choreografin Chat mit ihrer Performance "Alles stimmt nicht" streuen, wenn sie sich am kommenden
Sonnabend am Lindenauer Markt unter die Passanten mischt. Und die seit Jahren leer stehenden Gebäude der angrenzenden Joseph- und Odermannstraße werden zu Orten von Installationen und Performances.
Zur Eröffnung am Donnerstag präsentieren sich Leipziger Choreografen im LOFFT: Micha Veit und Steffen Fuchs vertanzen Gedanken zum Thema
"Heimatland", Hermann Heisig konfrontiert vier Individuen mit "La vie moderne", und Heike Hennig schickt "Sosha" auf die Bühne - die Weiterentwicklung ihres
zur euro-scene gezeigten Trios "Soshamma" zum Solo für Friederike Plafki. Hennig erlebt gerade einen Boom: Einladung zur Tanzwoche Dresden und nach Potsdam im Herbst, Goethe-Institut Rom
und Berlin haben fürs nächste Jahr angefragt. Zum Renner entwickelt sich das Palucca-Treffen: Tänzer und Improvisationsfreudige machen jeden Mittwoch-Abend in der Windmühlenstraße 22-26 zu
einer Mischung aus Körperarbeit und spontanem Tanz, teilweise mit Live-Musik. Keine Frage: Leipzigs Tanz-Szene lebt. "Westend Unfinished" soll ein Ausdruck dafür sein.
Mark Daniel, LVZ vom 10. Mai 2003
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