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Soshamma Choreographie & Regie: Heike Hennig
Mit Heike Hennig, Friederike Plafki und Michael Veit in der Schaubühne Lindenfels
© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 12. November 2002
LVZ vom 13.11.2002 - Im Interview: Choreografin Heike Hennig
"Essen ist fertig!" - So beiläufig beginnt Heike Hennigs
Stück "Fremde 3. Teil". Gemeinsam mit den Tänzern huscht das Publikum in den Saal, wo es alltägliche Szenen erlebt: Am Tisch teilen die Akteure Brot, in der Hängematte kommen sie sich näher.
Sie lieben und necken sich, stecken den Kopf in die Backröhre, stürzen in Minderwertigkeitskomplexe oder heben ab im Größenwahn. Die Choreografin zieht die Zuschauer durch ein heiß-kaltes Bad der
Gefühle. Einblick in eine noch unfertige Arbeit gibt die 1966 in Leipzig geborene, in Köln und San Francisco ausgebildete Künstlerin im Rahmen der Tanzwerkstatt "Tagwerk" von euro-scene und
Schaubühne Lindenfels.
Frage: Mit dem Begriff "Tagwerk" war ein Thema nur angedeutet. Sie nehmen Arundhati Roys "Der Gott der
kleinen Dinge" als Inspirationsquelle. Warum?
Heike Hennig:
Im Buch geht es um die kleinen Dinge, ohne die kein Tagwerk möglich ist, um viele Momente des Alltags, liebenswerte, unbarmherzige. Arundhati Roys "Gott der kleinen Dinge" ist ein farbenprächtiger Roman voller Sprachmagie und Poesie und vielleicht gelingt uns drei Darstellern ja, in den 15 Minuten an einem Werkstattabend ein, zwei Farben aufzuzeigen. Nächstes Jahr arbeiten wir in größerer Besetzung an einem abendfüllenden Stück - das sind mein Wunsch und meine Vision!
Ungewöhnlich an "Tagwerk" ist, dass den vier ausgewählten Choreografen Mentoren zur Seite stehen und Ihnen die
Künstlerin Chat, die keine Tanzexpertin ist.
Sie kommt von der Grafikhochschule, an der ich auch unterrichte. Wir wurden gefragt, ob wir miteinander können. Der Funke war da.
Ihre Sachen gefallen mir sehr gut. Man wird unsere beiden Handschriften sehen, denke ich. Es geht hin und her. Sehr kraftvoll.
Schon in "Fremde" arbeiteten Sie interdisziplinär - mit einer Malerin, einem Jongleur, einem Akrobaten. Ist das Lust
am Experiment?
Ja. Genau das, was ich auch an der Grafikhochschule mache. Mit Malern zusammenarbeiten, mit Bildhauern, Fotografen.
Ist Leipzig eine Tanzstadt?
Ich denke schon. Seit ich aus Amerika zurück bin, arbeite ich hier als Tänzerin und Choreografin. Mit einem neuen Stück in jedem
halben Jahr und mit wunderbaren Leuten. Da entwickelt sich immer mehr.
Weiß Arundhati Roy, dass Sie zu Ihrem Roman tanzen lassen?
Ich habe es ihr geschrieben. Zurück kam, dass sie sich freut und uns Glück wünscht.
Interview: Hendrik Pupat
Pressestimmen
Videodokumentation im Tanzarchiv Leipzig
Produktion: HEIKE HENNIG & Co unter Leitung von Friedrich U. Minkus in Koproduktion mit dem FZTM Leipzig, im
Rahmen der euro-scene Leipzig in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Leipzig Lindenfels
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